Katzenjammer live

“Katzenjammer im Universum”, klingt nach dem Buchtitel irgendeines verdrehten, übereifrigen Jungautors, war jedoch unser Abendprogramm letzten Mittwoch. Seit ich im Spätsommer 2009 irgendwo in den Unweiten des Internets auf diese norwegische ‘Girl Band’ gestoßen bin, hat mich der seeehr spezielle Sound nicht mehr losgelassen. Und so musste ich mich schon seit Wochen auf diesen Gig in Stuttgart freuen wie Bolle!

Nach dem etwas zu ruhigen, aber unverhofft angenehmen Robert Post (ebenfalls aus Norwegen) im Vorprogramm, standen die vier Mädels dann endlich auf der mickrigsten wie niedrigsten Bühne des Universums. (Nicht falsch verstehen, ich mag den Laden!)

Vier sich perfekt ergänzende Stimmen und eine Vielzahl an Instrumenten verbuchen die Mädels auf der Haben-Seite. “Katzenjammer klingen nach Montmarte in Paris, nach russischem Zirkus, Zigeuner-Jahrmärkten und düster-verrauchten Whiskey-Bars in Oslo.” (motor.de) Und nach jedem Lied wechseln sie ihre Plätze an Gitarre, Banjo, Mandoline, Trompete, Akkordeon, Balalaika-Bass, Keyboard, Schlagzeug, Glockenspiel,… durch und spielen mit Charme, Herzblut und vor allem mit viel Spaß an der Sache. Das feiergeile Publikum konnte dabei nicht nur zu den Gassenhauern ihres aktuellen Albums “Le Pop” (Affiliate) sondern auch zu einer wilden Cover-Version von Genesis’ “Land of Confusion” sowie zu einer ganzen Reihe neuer Songs abrocken. Auf das nächste Album darf man sich wirklich freuen!

Was soll ich sagen? Alles für einen perfekten, runden Konzertabend war vorhanden. Die Mädels haben eine energiestrotzende Show abgeliefert und sich nach zwei stattlichen Zugaben auch noch höchstselbst an ihren eigenen Merchandising-Stand gestellt. Sympathisch! Nur, weil der halbe Laden offenbar hart darauf aus war, zu sämtlichen Uptempo-Nummern zu moshen, und wir ziemlich direkt vor der Bühne leider auch ziemlich direkt im Pit standen, hat das Gesamterlebnis schon etwas gelitten. Sach mal, finde nur ich das auf einem Folk-Konzert so unpassend oder werde ich langsam spießig und alt? Meinetwegen darf dieses rücksichtslosere Subgenre des körperlichen Ausdrucks gerne beim Punk bleiben. *hmpf*

Dennoch muss ich hier eine Menge Punkte aus der Kiste holen: 9/10 Punkte! Ich war schlicht begeistert und bin beim nächsten Date sicherlich wieder am Start.

SETLIST

  1. Der Kapitän
  2. Le Pop
  3. Tea With Cinnamon
  4. Mother Superior
  5. Virginia Clemm
  6. Wading In Deeper
  7. Lady Marlene
  8. Cherry Pie
  9. Play My Darling, Play
  10. To The Sea
  11. Hey Ho The Devil
  12. Demon Kitty Rag
  13. God’s Great Duststorm
  14. Land Of Confusion
  15. A Bar In Amsterdam
  16. Ain’t No Thang
  17. Blues
  18. Gypsy Flee

[Update] Die Aufzeichnung vom WDR Rockpalast Ende Mai spiegelt den Wahnsinn eines Katzenjammer-Konzerts vielleicht im Ansatz wider.