Eigentlich, sollte man meinen, findet man an dieser Stelle doch — wenn überhaupt mal — nur gute Kritiken zu überragenden Filmen. Filme, die es verdient haben, erwähnt und auf jede nur erdenkliche Weise gepusht zu werden. Durch die durchweg guten bis sehr guten Kritiken angespornt war ich — Fan der ersten beiden Teile — gestern voller Vorfreude und großer Erwartungen in Spider Man 3. Und was nun? Einstimmen in den Grundtenor von Spiegel, SWR3, filmstarts.de und wie sie alle heißen? Wohl kaum.

Klar trumpft der Streifen mit tatsächlich sensationellen visuellen Effekten auf. Meine persönlichen Favoriten sind dabei die Szene mit dem Kran-Unfall sowie die Entstehung des Sandman. Wirklich sehenswert und spektakulär! Die Tatsache, dass auch im dritten Teil die Bösewichte im Prinzip tragische Figuren mit erkennbarer Motivation und einer gewissen charakterlichen Tiefe sind, zeichnet den Film ebenfalls aus. So weit, so gut.

VORSICHT, SPOILER IM FOLGENDEN ABSCHNITT!
Doch was diese zwei lichten Momente trübt, mir letztendlich sogar den ganzen Film versaut hat, ist nicht gerade wenig: Spider Man 3 langweilt durch Vorhersehbarkeit. Wird ihm in aussichtsloser Situation doch noch in letzter Sekunde geholfen? Bekommt der Held am Ende seine Liebe zurück? Einer der Hauptcharaktere wird mit Sicherheit sein Leben lassen müssen — wer wird’s wohl sein? Alles ist so fürchterlich absehbar … Doch fast noch schwerer wiegt das arg zurechtgebogene und gekünstelte Skript. Um den Konflikt zweier Charaktere vorübergehend auszusetzen macht man was? Richtig: Gedächtnisverlust funktioniert immer gut. Anstatt Peter Parker zu warnen, dass sie erpresst wird, spielt Mary Jane gerne mit und macht erstmal Schluss. Ist schließlich besser für die Dramaturgie. Und wie kriegen wir Harry Osborne dazu, sich am Ende doch wieder mit Spider Man zu verbrüdern? Der bis dato zurückhaltende Butler, der schon damals die Wunden des verstorbenen Papa Osborne gewaschen hat, erkannte mit seinem kriminal-medizinisch geschulten Auge natürlich sofort, dass die tödlichen Verletzungen von den eigenen Waffen kamen und nicht von Spider Man. Ausgeplaudert wird das aber natürlich erst jetzt, ein paar Jahre später — wenn’s eben gut ins Drehbuch passt. Fürchterlich. Und leider alles andere als homogen zu den ersten beiden Teilen.

Um es dabei aber nicht zu belassen, kommt noch eine gehörige Portion Kitsch und Patriotismus hinzu. Weggelassen hat man dafür eine, wie ich meine, essenzielle Komponente des Comics und der ersten beiden Teile: Die Solidarität der New Yorker Bevölkerung. Der Mut und der Wille, sich gegenseitig zu helfen, wenn es wirklich darauf ankommt.

Fazit: Enttäuschend und bitter schade. 3/10 Punkten.