O2 und die Mehrwertdienste

Meine Frau ist letztes Jahr in eine der zahlreichen Abo-Fallen im Internet getappt. Ärgerlich, aber wenn man weiß, wie man sich zu verhalten hat, nicht weiter tragisch. Es flattern eine Menge böse klingender Mahnungen ins Haus, die man einfach ignoriert, und nach dem vierten oder vielleicht auch fünften Schreiben irgendeiner fragwürdigen Anwältin ist dann auch endlich Ruhe im Karton. Und das Wichtigste dabei: Da es nur eine Rechnung war, hat man kein Geld verloren.

16.07.2010: Heuer bin ich beim Prüfen meiner Mobilfunk-Rechnung auf Level 2 der Betrügereien gestoßen.

Bei näherem Hinschauen habe ich nicht nur in der letzten, sondern auch schon in der vorletzten Rechnung im EVN mit Verwunderung den Block „Mehrwertdienste“ entdeckt. Im Juni waren das stattliche 38,87 Euro, im Juli immerhin noch 32,88 Euro – in Summe bisher 71,76 Euro! Für nichts.

Auf Nachfrage bei der O2 Kundenbetreuung wurde mir gesagt, dass ich wohl irgendwo einen Abo-Dienst bestellt haben muss. (Nein, sicher nicht.) Das könne auch durch einfach Eingabe meiner Nummer auf irgendeiner Internetseite passiert sein. (Auch das nicht. Zumindest nicht von mir.) Eine Opt-In-SMS muss ich wohl auch nicht zwingend bekommen, so die Dame am Telefon. (Na prima, und wie kann man das Ganze dann verhindern??) Als ich ihr verkündet habe, mein Geld wieder haben zu wollen, offenbarte Sie mir, dass sie da nichts machen könne. O2 ginge hier für mich in Vorleistung und berechne die vermeintliche Dienstleistung nur weiter. (Auf der O2-Rechnung sehe ich allerdings nichts von wegen „im Namen und Auftrag für…“!) Ich erhalte noch die Adresse und eine E-Mail-Adresse des Diensteanbieters und soll dort kündigen (Was soll ich denn kündigen?) und dort mein Geld zurückverlangen.

Zu den Diensteanbietern: Namentlich geht es um Net Mobile und Bob Mobile. Beide sind ansässig in Düsseldorf und zumindest letzterer bietet laut Website Handy-Spiele und Klingeltöne, etc. Bei ersterem kann man das der Website gar nicht so genau entnehmen. Was aber schnell klar wird: Beide Unternehmen sind für Ihre Abzocke schon jetzt einschlägig bekannt.

Unnötig zu erwähnen, dass ich mit keinem der beiden Angebote jemals in Kontakt war. Bin nicht so der Klingelton-Typ. Ob ein eventuell irgendwann mal versehentlich gedrückter Werbebanner in einer iPhone-Anwendung als Anruflockmittel für Mehrwertdienste Schuld sein kann, ist nur eine Mutmaßung und kann nie und nimmer einen rechtskräftigen Vertragsabschluss darstellen.

Bei Net Mobile oder Bob Mobile anzurufen, kann man wohl vergessen. In Foren wird von bis zu einstündigen Warteschleifen berichtet, und sogar die Dame von O2 riet mir dazu, lieber gleich zu schreiben. Doch ich will weder über zig verschiedene Stellen meinem Geld hinterher rennen, noch will ich einsehen, dass O2 nicht mein Ansprechpartner für Dinge ist, die die O2-Rechnungen betreffen! Also habe ich mich jetzt noch mal hingesetzt und an den Provider geschrieben, mit dem ich bislang eigentlich immer zufrieden war:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe Ihnen auf Grund der rechtswidrig abgebuchten Beträge für die sog. „Mehrwertdienste“ im Namen der Fa. Bob Mobile bzw. Net Mobile. Konkret geht es um die 32,6638 Euro aus der Rechnung 10444xxxxx/04 und die 27,6386 Euro aus der Rechnung 10523xxxxx/04. Da mit keiner der beiden Firmen je ein Vertrag zu Stande zu Stande gekommen war oder ist, sind die Forderungen schlicht unberechtigt.

Da in Ihrer Rechnung kein Hinweis „im Namen und Auftrag für“ zu finden ist, wende ich mich bewusst an Sie und nicht die Diensteanbieter. Ein Verweis an die Anbieter ist also zwecklos.

Ich widerrufe hiermit die vermeintlichen Verträge. Hilfsweise erkläre ich die Kündigung aller Abo-Dienste. Höchst hilfsweise fechte ich die Verträge mit den Drittanbieter zudem wegen arglistiger Täuschung und Betrugs an.

Ich fordere Sie daher auf, die Summe von 71,76 Euro (brutto) bis zum 26.07.2010 an mich zurück zu überweisen. Andernfalls behalte ich mir vor, die Lastschriften der beiden letzten Abbuchungen zurückzugeben und nur die Rechnungsbeträge abzüglich der 71,76 Euro zu überweisen. Die Einschaltung eines Anwalts zur Durchsetzung meines guten Rechts behalte ich mir vor.

Ferner fordere ich Sie auf, künftig generell _alle_ Mehrwertdienste von Drittanbietern zu sperren, damit ich meinem Geld nicht mehr hinterher laufen muss.

Lassen Sie mich abschließend noch sagen, dass ich diese betrügerische Masche für ein Unding halte, wodurch in meinen Augen nicht nur die höchst zweifelhaften Drittanbieter sondern auch der Ruf von O2 durch diese dreiste Inkasso-Politik deutlichen Schaden nimmt. Dass es überhaupt möglich ist, auf diesem Weg an Geld zu gelangen schockiert mich und stellt sogar die viel zitierten Abo-Fallen im Internet weit in den Schatten.

Mit freundlichen Grüßen,
.tim reiser

Warum ich das hier schreibe? Ich will Aufmerksamkeit für diese Art des dreisten und von den Providern unterstützten Betrugs schaffen und andere Betroffene informieren.

Ich bin gespannt, wie diese überaus lästige und ärgerliche Geschichte weitergeht…

4 Antworten auf „O2 und die Mehrwertdienste“

  1. Es erging mir ähnlich! Allerdings mit dem Drittanbieter Wildfone. O2: „Da haben Sie wohl ein Video gedownloadet. Das sit ein Abo. Wenden Sie sich an Wildfone zum Kündigen.“
    Ich habe mein Download-Protokoll durchsucht und das Protokoll besuchter Webseiten – nichts! Ganz dreist.
    Ich habe gegen die Rechnung Widerspruch erhoben, habe die Einzugsermächtigung gekündigt (sie haben trotzdem abgebucht – das erfüllt nun einen Straftatbestand nach Strafgesetzbuch) und auch meine Verträge mit O2 gekündigt. Obwohl ich noch nicht weiß, welcher Anbieter sich nicht zum Handlanger von Abzockern machen läßt.

  2. ich habe genau das gleiche problem und weiß nicht was ich machen soll… aber ich werde auch so ein schreiben aufsetzen und das an o2 schicken!! bitte haltet mich auch dem laufenden!!
    grüße patrik

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